Exklusiv

Steuert Raisin dieses Jahr auf grob 70 Mio. Euro Umsatz zu?

8. Juni 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Der Berliner Einlagenbroker Raisin (“Weltsparen) hat bei uns zuletzt ja eher auf die Mütze bekommen, siehe die Stücke über den Verlust des Unicorn-Status (hier), über den 2020er-Umsatzrückgang beim inzwischen einverleibten Rivalen Deposit Solutions (hier) oder über die Abwicklung des Geschäftskunden-Angebots (hier). Insofern darf man die gestern versandte Pressemitteilung “Raisin erreicht wichtigen Meilenstein: 25 Mrd. Euro verwaltetes Vermögen in Sparprodukten” durchaus als Botschaft interpretieren: Wir sind sehr viel kraftvoller unterwegs, als es vielleicht den Anschein hat – Ausrufezeichen!

Was an den 25 Mrd. Euro nun interessant ist (und zwar hochinteressant): Früher hat Raisin immer nur das vermittelte Volumen kommuniziert – womit das seit Firmengründung vermittelte Volumen gemeint war, also eher eine Kennziffer fürs Schaufenster. Nun ist aber tatsächlich vom “verwalteten” Vermögen die Rede, also von einem Bestandswert (wie auf Anfrage bestätigt wird). Sozusagen die “Deposits under Management”. Sprich: Die 25 Mrd. Euro sind der Umfang der via Raisin vermittelten, aktuell bei den sog. “Zielbanken” liegenden Einlagen.

Mithilfe dieser Zahl dürften sich bei einem der nicht nur größten, sondern vor allem auch klandestinsten deutschen Fintechs (letzter veröffentlichter Geschäftsbericht: 2018) nun endlich fundierte Annahmen zur Ertragslage treffen lassen. Und zwar:

  • Nach allem, was man im Markt hört, würden wir vermuten, dass Raisin im B2c-Geschäft (also über die Endkunden-Plattformen “Weltsparen” und “Zinspilot”) im Schnitt an die oder um die 30 Cent pro Jahr je vermittelten 100 Euro Einlagenvolumen einstreicht
  • Im B2B-Geschäft (also wenn die Kunden über einen Partner wie die Deutsche Bank oder die Sparkasse Bremen kommen) würden wir den Ertrag ein Stück niedriger schätzen, nämlich eher so um die knapp 20 Basispunkte
  • Da es nun von der alten Deposit Solutions immer hieß, dass sie etwas mehr B2B-Geschäft als B2C-Geschäft mache, während bei der alte Raisin der Schwerpunkt eher auf den Endkunden lag, würden wir sehr, sehr grob einfach mal schätzen, dass von den 25 Mrd. Euro vielleicht drei Fünftel B2C-Geld und vielleicht zwei Fünftel B2B-Geld sind

Hieraus könnte man nun folgende Rechnung ableiten:

(15 Mrd. € mal 28bp) plus (10 Mrd. € mal 18bp) ist gleich 60 Mio. Euro. 

  • On top kommt dann noch die Investmentsparte (inkl. Raisin Pension) mit AuM von “mehr als 1,5 Mrd. Euro”, wie es gestern hieß. Daraus dürften (auch diese Zahl halten wir für relativ verlässlich, da man sich ihr über die Fondsunterlagen nähern kann) noch einmal grob 6 Mio. Euro Ertrag erwachsen
  • Und dann ist da noch die Raisin Bank, bei der wir auf Basis vergangener Abschlüsse für dieses Jahr mit Provisionserträgen von bis zu 10 Mio. Euro kalkulieren würden. Hiervon sollte man allerdings gleich mal die Hälfte abziehen, weil zuletzt grob 50% der Raisin-Bank-Erträge aus dem Raisin-Geschäft kamen. Linke Tasche, rechte Tasche.

Wären wir also alles in allem bei etwa 70 Mio. Euro Umsatz.

Wenn man uns eine Toleranz von +/- 10 Mio. Euro zugesteht, würden wir das so fast schon zum Testieren freigeben.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing