Kurz gebloggt

Warum gegen N26 ermittelt wird – und was daraus folgt

6. Februar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Als Investor würde man der größten kontinentaleuropäischen Neobank einfach nur wünschen, sich irgendwann mal wieder aufs Geschäft fokussieren zu können (was momentan allein schon wegen des von der Bafin verhängten Neukunden-Limits schwierig ist … ). Doch stattdessen – hat N26 nicht mehr nur Ärger mit der Bonner Finanzaufsicht, sondern auch mit Berliner Strafverfolgern, wie am Wochenende zunächst das “Handelsblatt” (Paywall) berichtete.

Hintergrund, so scheint es, sind die sich häufenden Fälle, in denen N26-Konten von Kriminellen zu betrügerischen Zwecken genutzt werden. Offenkundig sind in der Sache inzwischen so viele Anzeigen von Kunden bei Behörden quer durch die Republik eingegangen, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sich der Fokus der Ermittler auch gegen die Bank bzw. deren Verantwortliche selber richten würde (O-Ton StA Berlin: „Derzeit werden gerade mehrere Verfahren, die aus verschiedenen bundesweiten Anzeigen resultieren, zusammengeführt und in diesen die konkreten, einzelnen Verdachtsmomente geprüft“).

Wenn nun also ein formelles Ermittlungsverfahren gestartet wurde, dann bedeutet das, dass die Ermittler irgendeine Art von Anfangsverdacht hegen. Was den N26-Managern aus strafrechtlicher Perspektive allerdings genau vorgeworfen wird (Beihilfe zur Geldwäsche???), bleibt einstweilen diffus – zumal das Stadium des Verfahrens ein sehr frühes zu sein schein [Zitat aus dem “HB”: “Die Staatsanwaltschaft Berlin steht (…) den eigenen Angaben zufolge bei ‘umfangreichen Ermittlungen in dem Verfahren’ offensichtlich noch ziemlich am Anfang”].

Heißt mit anderen Worten: Bis zu einer etwaigen Anklage ist es noch weit. Was aber nichts daran ändert, dass N26 aus den negativen Schlagzeilen so recht nicht herauskommt. In den zurückliegenden Jahren hat das Milliarden-Fintech, wenn es zwischen “Wachstum” und “Ärger” abzuwägen galt, stets fürs Wachstum optiert. Streng betriebswirtschaftlich gesehen (bzw.: gemessen an der Entwicklung des Unternehmenswerts) war diese Entscheidung richtig. Vielleicht ist aber irgendwann der Punkt erreicht, an dem es diesen Trade-Off nachzujustieren gilt.

Übrigens: Wer die “vier Führungskräfte” sind, gegen die sich das Verfahren richtet, wurde nicht bekannt. Man darf aber annehmen: Kämen die Namen heraus, müsste man sie nicht erst bei Linkedin nachschlagen.

N26 gibt erstmals Hinweis auf die Zahl der Premium-Konten

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