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Das gab es diese Woche sonst noch in unserer Rubrik „Produkt & Kunde“

28. Mai 2021

21.-27. Mai: Commerzbank, PSD Nürnberg, S-Broker, Degussa Bank

Die Commerzbank ist beim Bemühen, ihre diversen „Distributed Ledger Technology“-Ansätze zur Marktreife zu führen, offenbar wieder ein paar Trippelschritte vorangekommen. Konkret: 1.) Nach eigenen Angaben hat die Coba erstmals im Livebetrieb eine blockchain-basierte Plattform getestet, über die gegenseitige Forderungen zweier Industrieunternehmen (es handelte sich um Evonik und BASF) volldigital geprüft, gezahlt und verbucht worden seien. Und 2.) Gemeinsam mit der LBBW sowie der türkischen Isbank seien dieser Tage gleich mehrere Handelsgeschäfte über das Trade-Finance-Netzwerk Marco Polo „in einer Live-Umgebung abgewickelt worden“. Zu den involvierten Unternehmen zählten auf deutscher Seite der Armaturenhersteller KSB und der Technologiekonzern Voith.

Die PSD Bank Nürnberg setzt bei Verwahrentgelten neue Maßstäbe und erhebt -0,5% für Guthaben auf Girokonten bereits ab 10.000 Euro. Für Wertpapierverrechnungs- und Zweitkonten fällt der faktische Strafzin zudem schon ab dem ersten Euro an. Erstaunlich: Im Geschäftsbericht 2019 hatte Vorstand Helmut Hollweck mit Blick auf Verwahrentgelte für „Beträge, die deutlich unter der 100.000-Euro-Marke liegen“, noch erklärt: „Wir hingegen zeigen unseren Kunden individuelle Wege aus dem Zinstal auf, statt sie zur Kasse zu bitten.“

Beim Ach-ja-die-gibts-ja-auch-noch Sparkassen-eigenen S-Broker reagiert man offenbar auf den Boom der Neobroker und setzt 300 Euro (!) Startguthaben für Neukunden aus.

Die Degussa Bank schraubt zum 1. Juli kräftig an ihren Preisstrukturen (was wir hier zumindest schon mal angedeutet hatten): Das „Giro Digital Plus“-Konto (künftig die erste Stufe über dem „Basiskonto“) ist künftig nur noch bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 750 Euro gebührenfrei. Zudem erhebt die Bank 28ab einem Betrag von 100.000 Euro Verwahrentgelte von 0,5%; beim Brot-und-Butter-Sparangebot des „TopZins Tagesgeldkonto“ greifen das Verwahrentgelt sogar schon ab 5.000 Euro.



Und hier ältere Snippets aus der Rubrik „Produkt und Kunde“

Die nach Bilanzsumme zweitgrößte Sparkasse hierzulande – die Sparkasse KölnBonn – baut zum 1. Juli ihre Girokontenmodelle grundlegend um. Offiziell kommuniziert werden die Änderungen zwar erst zum 1. Mai. Im Preis-Leistungs-Verzeichnis lässt sich aber schon ablesen, wohin die Richtung geht: Das klassische Modell „Giro Privat“ kostet dann 5 Euro pro Monat (statt bisher 2,95 Euro) und enthält Kosten für einzelne Buchungen. Das günstigste „Flatrate“-Konto inklusive aller Buchungsposten nennt sich nun „Giro Privat Komfort“ und verteuert sich vom 7,95 Euro auf 9,00 Euro pro Monat, wobei die bislang inkludierte Kreditkarte nicht länger enthalten ist. Die Kreditkarte müssen sich Kunden nun kostenpflichtig hinzubuchen, wobei das Pricing spannend ist: Die (unter Sparkassen eher rare) optionale Mastercard Debit kostet 36 Euro pro Jahr, die klassische Mastercard Charge-Karte wird preislich darunter (!) angesiedelt und kostet 30 Euro im Jahr. Neues PLV Sparkasse KölnBonn

Exklusiv: CosmosDirect streicht Tagesgeld-Angebot. Eine Weile war es der letzte Schrei (auch in der Kundengewinnung), dass Versicherer mit Tagesgeld-Angeboten auf Einlagensuche gingen. CosmosDirect indes kippt nun offenbar sein sogenanntes „Tagesgeld Plus“-Angebot. Von der Internetseite ist es bereits verschwunden, alte Links zum Angebot werden nun auf die hauseigenen Versicherungsprodukte umgeleitet. Zuletzt wurde das Tagesgeld bei der Generali-Direktversicherungstochter mit 0,21% p.a. verzinst, unterlag aber nicht dem Banken-Einlagenschutz, sondern dem Protector-System der Versicherungswirtschaft. Eine Sprecherin von Cosmos Direct sagte, das Produkt werde „überarbeitet“, daher habe man es „für das Neugeschäft temporär geschlossen“.

Die Berliner Neobank Vivid Money hat in dieser Woche nicht nur ein Funding über 60 Mio. Euro hingelegt, sondern auch den Einstieg in den Krypto-Handel verkündet. Über sogenannte „Krypto-Pockets“ können Besitzer des kostenpflichtigen Prime-Kontomodells ohne Mindestanlagebetrag in zehn Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Litecoin und mehr investieren. Zu beachten: Es handelt sich um eine „virtuelles“ Engagement, das heißt, die Kunden besitzen die Krypto-Währungen nicht physisch, sondern partizipieren einfach nur 1:1 an den Kursveränderungen von Bitcoin und Co. Vivid Money

Die S-Finanzgruppe experimentiert mit einer „Card Control“-App, mit deren Hilfe Kreditkartenverfügungen differenziert nach Land und Point of Sale gesperrt oder freigegeben werden können. Die Pilotphase startet bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. S-Cardcontrol

Der Preiskrieg im Geschäft mit ETFs und ETF-Sparplänen geht weiter: So strich Flatex diese Woche die bisherige Pauschale von 1,50 Euro je Ausführung für ETFs und Fonds, zudem nehmen die Frankfurter nunmehr ETFs von der pauschalen Depotgebühr von 0,1% aus. Die DKB wiederum – bislang eher vorsichtig mit „Freetrades“ – bietet (zunächst befristet bis Mitte Mai) 100 ETFs von Amundi und Lyxor ab 1.000 Euro Ordervolumen ohne jedes Orderentgelt an.

Ein halbes Jahr ist der Launch des N26-Sparprodukts „Easyflex“ nun her, und ganz offenbar fühlen sich die Berliner Neobank mit nur einem Partner (der norwegischen Komplett-Bank) weiterhin wohl. Wie sich allerdings aus diversen Nachfragen von Finanz-Szene.de-Lesern ergibt (und N26 so bestätigt), wird das Easyflex-Sparprodukt nicht allen Kunden angeboten, sondern nur einem Teil. Auch ’ne Strategie, offenbar.

Die Sparda-Banken haben ihrer „TEO“-App (siehe als Hintergrund u.a. unsere Geschichte „Sparda-Banken investierten 60 Mio. Euro in Flop-Fintech“) ein Update auf die „Version 1.5“ spendiert. Das Versprechen „neue Funktionen, frisches Design und noch mehr Sicherheit“ klingt nett – ob die Renovierung den Kern der App-Probleme löst, sei aber mal dahingestellt. Denn: Die User bemängelten ja nicht unbedingt fehlende „Funktionen“ und fehlende „Frische“. Sondern, siehe u.a. unser Stück „Vier Apps, fünf Strategien – und tobende Kunden“: Es ging tendenziell doch eher um die technische Verlässlichkeit. Und geht es immer noch, wie man den Woche für Woche im Dutzend veröffentlichten Kunden-Kritiken in den App-Stores entnehmen kann.

Die PSD Bank Rhein-Ruhr berechnet Privatkunden seit Dienstag einen Minuszins von 1,0%, wenn sie auf dem Tagesgeldkonto mehr als 500 000 Euro anlegen – ein neuer „Minusrekord“, denn zuvor war (jedenfalls unseres Wissens nach) noch kein deutsches Geldinstitut unter die Schwelle von -0,5% gegangen. Auf einem massiven Einlagendruck kann die Entscheidung übrigens nicht fußen. Vergangene Woche meldete die 150.400 Kunden zählende Genossenschaftsbank für 2020 „nahezu konstant gehaltene“  Kundeneinlagen von 2,72 Mrd. Euro nach 2,68 Mrd  Euro im Vorjahr.

10 Mrd. Euro will die Commerzbank mit ihrem „Klimavest“-Fonds langfristig einsammeln – so stand es in der offiziellen Mitteilung zum Launch des geschlossenen Impact-Fonds Ende Oktober (siehe unsere Analyse „Größter Produkt-Launch ever: Commerzbank lädt Öko-Bazooka“). Da liegt die Frage nah: Wie läuft es denn? Antwort: Ausweislich Klimavest-Dokumenten sind inzwischen 363 Mio. Euro zusammen. Noch nicht viel gemessen an den hehren Zielen. Andererseits: Im aktuellen Vertriebstempo wäre bis Jahresende die Milliardenmarke geknackt. Zumal demnächst dann auch Drittvertriebe den Klimavest empfehlen (und Agio wie Bestandsvergütungen kassieren) dürfen.

Erinnern Sie sich noch an Rubarb, das Fintech der Neffen von Olaf Scholz“? Jedenfalls: Diese Woche wurde uns interessanterweise und aus seriöser Quelle zugeleitet, was Rubarb im Online-Marketing pro Lead bezahlt. Wir zitieren (wobei „CPL für „Cost-per-Lead“ steht): „Attraktive Vergütung: 7,00€ CPL (ein Lead ist valide nachdem der User die ID Verification erfolgreich durchgeführt hat). Die Rubarb Verlinkungen würden durch Tracking Links ausgetauscht werden, sodass ihr für jeden neu vermittelten Kunden, der sich über den Link erfolgreich registriert, eine Vergütung erhaltet.“

Auch die Targobank dreht ein klein wenig an den Gebühren – und zwingt eine mittlere fünfstellige Zahl von Kunden zum Wechsel in ein in einigen Details teureres Girokontomodell. Betroffen sind Kunden des schon länger nicht mehr angebotenen Modells „Best Konto“. Diese sollen per 1. Mai automatisch in das sogenannte „Plus-Konto“ überführt werden. Damit verbunden sind neben einem unveränderten Grundpreis (5,95 Euro bzw. kostenlos bei > 1.000 Euro Geldeingang) zahlreiche Verteuerungen, etwa für eine Ersatz-Girocard (15,10 Euro statt gebührenfrei) oder Scheckeinreichung, Eilüberweisung, PIN-Freigabe oder ganz banal auch den Dispozinsen. Das alles passt zu ähnlichen Schritten dieser Tage bei der deutschen ING (siehe hier) oder der Comdirect (siehe hier).

Der Hamburger Einlagenbroker Deposit Solutions („Zinspilot“) hat Probleme mit einem seiner Partner-Institute: Laut „Finanztest“ (3/2021, Seite 20) kündigte die französische BGFI Bank zum 1. Februar einer ungenannten Zahl von Zinspilot-Kunden deren gut verzinste Festgeldverträge gekündigt. Die Hintergründe der Maßnahmen sind unklar, Deposit Solutions begründet die Kündigungen gegenüber „Finanztest“ mit „regulatorischen Vorgaben“.

Damit die neu und zusätzlich ausgegeben Visa-Debitkarten bei der Comdirect auch eingesetzt werden, startet die Bank eine Aktion, in der man Kunden bei einem dreimaligen Einsatz via Apple Pay oder Google Pay einmalig fünf Euro schenkt.

N26 hat sein Sparprodukt „Easyflex Savings“ seit Donnerstag auch für alle Kunden freigeschaltet – bislang war es nur Metal-Kunden zugänglich

Auch die C24 Bank bietet jetzt Unterkonten (also „Pockets“ an), mit denen Kunden separat Geld anhäufen können, für den Urlaub, das Auto oder andere Sparziele. Als erster großer Player hatte N26 ein solches Feature eingeführt, inzwischen sind etliche mobile Banken wie Vivid Money nachgezogen. Interessant: Bei der C24 Bank können Nutzer den Unterkonten auch eine eigene IBAN zuweisen, so dass sie darüber auch Geld überweisen, empfangen oder einziehen lassen können. Diese Zusatzfunktion ist allerdings teils kostenpflichtig.

Bekanntlich haben auch die Volks- und Raiffeisenbanken Apple Pay im Angebot. Blöd nur: Die „Business Cards“ der Genos sind noch immer nicht mit  der mobilen Zahllösung verknüpft, berichtet Heise. Genauso ist es übrigens auch weiterhin mit der Amazon-Visa-Kreditkarte der Landesbank Berlin – auch wenn die Nutzer der LBB-Hauskarte (also ohne Branding) längst mit Apple Pay zahlen können.

463 (!) Banken und Sparkassen kassieren mittlerweile eine Gebühr (natürlich zusätzlich zur Interchange …), wenn ihre Kunden mit Girocard oder Kreditkarte bezahlen, zeigen Zahlen des Finanzportals „Biallo“. Spitzenreiter ist demnach die Bopfinger Bank Sechta-Ries in Baden-Württemberg: Sie verlangt 75 Cent je Transaktion. Da freut sich das Provisionsergebnis. Mal sehen, wie lange der Kunde es mitmacht. (Business Insider)

Das neueste App-Update bei N26 bringt kleinere Veränderungen mit sich. Wenn es sooo genau wirklich wissen will- voilà: Caschys Blog

Wie verhindere ich als Bank, dass mein kostenloses Girokonto zum reinen Geldabhebe-Konto wird, das zwar Aufwand erzeugt, aber keinen Ertrag generiert? Die C24 Bank macht es ausweislich eines Kundenschreibens so: „Hallo Herr Xxxxxxxxx, Ihr Konto befindet sich nicht mehr im Status ‚aktive Nutzung‘, wodurch Ihnen im aktuellen Monat weniger kostenlose Bargeldabhebungen als zuvor zur Verfügung stehen. Der Status Ihres Kontos hat sich geändert, weil im letzten Monat keine zwei wiederkehrenden Lastschriften / Vertragsbuchungen von Ihrem Konto eingezogen wurden. […] Unser Tipp: Ziehen Sie mit Hilfe unseres Kontowechselservices in nur wenigen Minuten Ihre Lastschriften auf Ihr C24 Girokonto um, damit Sie künftig wieder im vollen Umfang Ihre kostenlosen Bargeldabhebungen nutzen können!“

Die DKB schraubt mit einem neuen Preis-Leistungsverzeichnis (ein bisschen) an Zinsen wie Gebühren: Guthaben auf der DKB-Visa-Card sowie dem DKB-Visa-Tagesgeld werden vom 1. April an grundsätzlich nicht mehr verzinst (zuletzt 0,01%), was die geplante Einführung des DKB-Tagesgeldkontos offenbar im Vergleich attraktiver machen soll. Für Einzahlungen an DKB-Geldautomaten werden künftig 1,5% des Betrags und mindestens 2,50 Euro fällig, beleghafte Überweisungen kosten in jedem Fall 2,95 Euro, und bei Scheckeinreichungen in Fremdwährungen können Fremdkosten weiterbelastet werden. Die Übersicht: DKB

Hier mal pars pro toto ein aktuelles Beispiel für satte Gebührenerhöhungen smarte Pricing-Strategien im genossenschaftlichen Bankensektor: Bei der Volkbank Mönchengladbach kostet das Online-Konto künftig nicht mehr 2,50 Euro im Monat sondern 5,90 Euro. Ein Plus von 136%. Flankiert wird der Schritt vom sogenannten „Hausbanken-Modell“ (Analyse dazu hier), das im Gegenzug für die die Nutzung von Produkte und Leistungen Rabatte einräumt. Neue Kontopreise

Sollten Investment-Fintechs die Mindestanlagesumme möglichst hoch hängen, um Exklusivität zu demonstrieren wie Moonfare (ab 100.000 Euro) oder Liqid (ebenfalls ab 100.000 Euro) – oder sollten sie die Schwellen lieber senken, um möglichst viele Kunden einzufangen? Der Berliner Robo Quirion geht jetzt letzteren Weg und reduziert Mindestanlagesumme von 1000 Euro auf 500 Euro.

Was gibt’s Neues von TEO, also der (siehe hier, hier und hier) noch nicht wirklich erfolgreichen neuen Banking-App der Sparda-Banken? Das hier: Die Sparda München, so entnehmen wir ihrer Homepage bietet seit dem 19. Januar „an mehreren Terminen Kunden-Webinare zu TEO an. Unsere Mitarbeiter zeigen Ihnen dort die wichtigsten TEO-Funktionen, geben wertvolle Tipps und beantworten Ihre Fragen. Die kostenlosen Online-Veranstaltungen richten sich an Kunden, die sich bereits in TEO angemeldet haben und die Anwendung nutzen, sowie an alle, die es in Kürze vorhaben.“ Soll man das jetzt gut finden, weil die Sparda München „die Menschen abholt“, wie man in der Politik sagt? Oder fragwürdig, weil eine Banking-App, für deren Nutzung es eine Online-Schulung braucht, keine gute Banking-App sein kann? Schwer zu sagen. Entscheiden Sie bitte selbst, liebe Leserinnen und Leser.

Dem neuen „Hausbank-Modell“ hatten wir uns vergangenes Jahr ja schon mal intensiver gewidmet (siehe die Artikel „Rabatte, Boni, Punkte: Wie das Girokonto neu definiert wird“ und „Kontogebühren: Die neue Masche am Beispiel der Volksbank Stuttgart“) . Leser O. hat jetzt das nächstes Institut entdeckt, dass allem Anschein nach auf das „Hausbank-Modell“ setzt, nämlich die Volksbank Warendorf (hier der Beleg).  Wobei man dazusagen muss: Leser O. hält den Begriff „Hausbank-Modell“ für einen Euphemismus. Er spricht von „Kontogebühren reloaded“.

Nicht nur die Online-Broker hatten diese Woche mit Problemen am „Frontend“ zu kämpfen – sondern auch die Consorsbank. Dort kam es am Donnerstagnachmittag laut etlichhen Nutzerbeschwerden bei „Allestoerungen.de“  zu einem rund 45-minütigen vollständigen Systemausfall. Weder Banking noch Brokerage noch die Hotline funktionierten.

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