von Bernd Neubacher , 14. April 2026
Die genossenschaftliche Primärebene hat in den letzten Jahren manches bizarre Schauspiel erlebt. Die Vorgänge rund um die Volksbank Brawo stellen das meiste davon allerdings locker in den Schatten. Da ist der frühere Geschäftspartner Daniel Steinke, Ex-Chef der Pleite-Tochter Jitpay, der das Institut seit Wochen wie am Nasenring durch die mediale Manege zieht. Da ist die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die im Kontext des Jitpay-Komplexes nun tatsächlich Ermittlungen gegen Verantwortliche der Brawo eingeleitet hat. Und dann ist da der ehedem sonnenkönigliche Vorstandschef Jürgen Brinkmann, der neulich (ob es in Abstimmung mit dem Frankfurter Highend-PR-Berater der Bank geschah, weiß man nicht …) bei Linkedin auf die doch eigentlich stets umgängliche „Börsen-Zeitung“ eindrosch, als habe man es mit einem heimtückischen Revolverblatt zu tun.
Was war passiert? Die „BÖZ“ hatte massig Platz freigeschaufelt (Seite 1 und Seite 6), um dem Brawo-Chef die Gelegenheit zu geben, endlich mal seine Sicht der Dinge kundzutun. Brinkmann machte davon ausnehmend Gebrauch (unter anderem hielt er Kritikern vor, sie hätten das Geschäftsmodell der Bank „nicht verstanden“), was ein offenbar etwas übereifriger Headline-Texter zum Anlass für die leicht windschiefe Schlagzeile „Brawo-Vorstandschef lästert über Kritiker“ nahm. Darauf wiederum reagierte Brinkmann mit einem triefenden Social-Media-Post („So schockiert war ich bei meiner bisherigen 30-jährigen Pressearbeit noch nie“, „Sie erleben mich gerade völlig konsterniert“), woraufhin sich über die „BÖZ“ der heilige Zorn der Brinkmann-Follower ergoss („Journalie“!, „Richtigstellung“!).
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Jedenfalls – und damit müssen wir jetzt leider auf die Sachebene überwechseln: Die Ironie des ganzen Schauspiels besteht darin, dass es sich bei den versenkten Jitpay-Millionen eher um ein Kollateral-Thema handelt. Den Sektor und die Aufsicht umtreiben ernstere Sorgen (siehe im November unseren Deep Dive –> Hat die Volksbank Brawo ihre Immobilien-Risiken wirklich noch im Griff?). Und während sich auf offener Bühne also gerade alle mit allen fetzen, vollziehen sich die entscheidenden Vorgänge rund um die Volksbank Brawo dieser Tage hinter den Kulissen.
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