Analyse

Acht spannende Erkenntnisse aus dem DKB-Geschäftsbericht

1. April 2021

Von Christian Kirchner

Es ist eines der ambitioniersten Projekte in der deutschen Banken-Szene: Die DKB kündigt nicht nur den Umbau zu einer „Tech-Bank“ an, sondern will bis 2024 mal eben um 3,4 Mio. Kunden wachsen. Das ist – um es einmal plastisch zu machen – ein Wachstum von gut einer Comdirect (zuletzt: 2,7 Mio. Kunden) binnen drei Jahren. Und die Comdirect brauchte immerhin ein Vierteljahrhundert annähernd ununterbrochenes Wachstum, ehe sie ihre letzte Größe vor der Verschmelzung erreichte. Um so spannender, welche Einblicke der gestern veröffentlichte Geschäftsbericht auf die Lage und die Ziele und den Weg dahin des Instituts offenbart. Hier die acht spannendsten Erkenntnisse:

1.) Die DKB ist besser, als wir sie manchmal machen

… oder zumindest: Trotz Corona-Krise hat sie 2020 bei jedem ihrer sieben Leistungsindikatoren ihre eigene Prognose erreicht oder übertroffen:

  • Zinsüberschuss: 954 Mio. Euro („auf Vorjahresniveau, Prognose erreicht“)
  • Risikoergebnis: -38,9 Mio Euro („trotz zusätzlicher Corona-Vorsorge verbessert, Prognose übertroffen“
  • Ergebnis vor Steuern: 249,9 Mio. Euro (trotz Rückgangs um knapp 50 Mio. Euro „die Erwartungen übertroffen“)
  • Bilanzsumme: 109,8 Mrd. Euro („deutlich gesteigert, Prognose übertroffen“)
  • Return on Equity: 7,7% („Zwar im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Prognose von 6-7% aber übertroffen)
  • Cost Income Ratio: 61,2% (zwar 4,5 Prozenpunkte über dem Vorjahresniveau, aber „Prognose erreicht“)

2.) Wir lagen mit unserer „DKB bereitet Abbau von Jobs vor“-Geschichte am Montag richtig

… denn im gestern vorgestellten Geschäftsbericht, Seite 142, steht unzweideutig:

  • „Da nicht alle Mitarbeiter diesen Transformationsprozess werden begleiten können, werden wir in den kommenden Jahren bewusst Trennungsmaßnahmen umsetzen müssen“.

3.) Die DKB verliert (zu) viele Kunden

Am Montag hatten wir ja bereits vermerkt, dass DKB ihr Neukunden-Wachstum (von rund 300.000 jährlich auf gut 900.000 jährlich netto) verdreifachen muss, um ihr (über-)ehrgeiziges Ziel von 8 Mio. Kunden bis Mitte 2024 zu erreichen (per Ende 2020 waren es 4,66 Mio.).

Der 2020-Geschäftbericht offenbart hierzu nun Folgendes:

  • Die DKB hält am 8-Mio.-Ziel „uneingeschränkt“ fest
  • Das Bruttowachstum war mit 453.000 Kunden gar nicht so schlecht …
  • … zugleich verlor das Institut aber 161.000 Kunden und damit mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2018
  • Für dieses Jahr nehmen sich die Berliner nun 600.000 neue Kunden vor. Brutto.
  • Heißt, wenn man’s zu Ende denkt: Ab 2022ff braucht’s also dann also aufs Jahr hochgerechnet deutlich mehr als 1 Mio. Kunden. Und zwar netto.

4.) Die DKB toleriert eine Verschlechterung wesentlicher Kennziffern

Dass die DKB (siehe oben) ihre Prognosen zuletzt erreichte, liegt auch daran, dass sie bei wesentlichen Kennziffern die Latte sukzessive niedriger hängt. Oder anders gesagt: Für mittelfristiges Wachstum nimmt die zweitgrößte deutsche Direktbank eine kurzfristige Verschlechterung billigend in Kauf. Beispielhaft:

  • 2021 soll die Cost-Income-Ratio um (weitere) 5 Prozentpunkt steigen
  • Aus dem Risikoergebnis erwartet die DKB eine „signifikant höhere Belastung“
  • Das Ergebnis vor Steuern soll „deutlich“ unter dem letztjährigen liegen
  • Die EK-Rendite darf von 7,7% auf bis zu 5% absacken

Das erklärt dann auch, nebenbei bemerkt auch, warum die BayernLB – wie am Montag exklusiv berichtet – noch mal 200 Mio. Euro Kapital in ihre Tochter geschossen hat.

5.) Ein bisschen mehr Trade Republic würde der DKB guttun

Beginnen wir mit dem Positiven: Die DKB hat rechnerisch 160.000 neue Depotkunden hinzugewonnen und das Ergebnis im Wertpapiergeschäft auf 24 Mio. Euro vervierfacht.

Das Negative: 24 Mio. Euro sind halt trotzdem nicht so wahnsinnig viel. Und 160.000 neue Depotkunden waren gemessen an Trade Republic (geschätzte rund 450.000, siehe hier), der ING Diba (290.000, siehe hier) oder der Comdirect (230.000 in den ersten neun Monaten) eben auch unterdurchschnittlich. Oder noch anders ausgedrückt:

  • Bei der deutschen ING haben 20% der Kunden auch ein Depot
  • Bei der Comdirect waren es zuletzt 60%
  • Bei der Consorsbank sind es 80%
  • Die DKB kommt nur auf 11%.

Es bleibt also dabei: Die DKB dreht im Provisionsgeschäft alles in allem ein zu kleines Rad, mit der Folge, dass das Provisionsergebnis (das traditionell unter den Kosten für das „Überall kostenlos mit Kreditkarte abheben“-Modell leidet) negativ bleibt. Und strategisch bleibt sie im Wertpapiergeschäft aktuell stecken zwischen den preisaggressiven Neobrokern und beratenden Filialbanken. Beim Kundenakquise- und -bindungsinstrument schlechthin – dem kostenlosen ETF-Sparplan – hat die DKB noch kein Angebot, sondern „nur“ ein sehr günstiges.

6.) Im Kartengeschäft hat Corona mal so richtig gewütet …

Bei der DKB, deren Geschäftsmodell stark um die echte „Charge“-Kreditkarte, lassen sich die Covid-Kollateralschäden im Kartengeschäft beobachten: Statt 23 Mio. Euro lieferte das Kartengeschäft nur noch 5 Mio. Euro ab. Begründung? „Gesunkene internationale Karteneinsätze infolge der Corona-Pandemie.“

7.) … und für alles andere gibt es Visa

Die meisten deutschen Banken haben ihre Beteiligungen an Visa Europe in den letzten Jahren verscherbelt. Nicht so die DKB. Gut so!!! Die Beteiligung warf nämlich einen positiven Bewertungseffekt in Höhe von 23 Mio. Euro ab, mithin mehr als das, was im Kartengeschäft an Überschuss verloren ging.

8.) So verdiente die DKB mal eben 13 Mio. Euro mit dem negativen EZB-Einlagenzins

Dass sich auch mit einem negativen Einlagenzins von 0,5% trefflich Geld verdienen lässt und das ganze für Banken sogar netto eine Gewinnquelle, hatten wir schon mehrfach vorgerechnet (siehe etwa hier, hier und hier). Die Zauberworte lauten hierzu „Freibeträge“ und „TLTRO“, also die langfristigen Finanzierungsgeschäfte der EZB.

In der DKB-Bilanz lässt sich nun ziemlich genau nachzeichnen, wie die entsprechenden Mechanismen funktionieren So fällt beim Blick in den Geschäftsbericht zunächst einmal der ungewöhnlich starke Anstieg der Bilanzsumme von 84 Mrd. auf 110 Mrd. Euro auf. Mehr als die Hälfte dieses Zuwachses (nämlich 14 Mrd. Euro) kommt allerdings aus dem TLTRO-Programm der EZB. Wie hoch der Zins dafür genau war, sagt der Geschäftsbericht zwar nicht. Allerdings liegt nahe, dass der Durchschnittszins unterhalb des TLTRO-Standardsatzes von minus 0,5% gelegen haben muss (Wie das geht? Indem man die Zinsrabatte des TLTRO-Programms ausnutzt, weil man – wie es die DKB getan hat – auch fleißig in der Corona-Krise Kredite ausgereicht hat …).

Die so aufgenommenen Mittel hat die DKB dann dem Anschein nach anschließend einfach bei der Bundesbank zu minus 0,5% oder anderen Häusern angelegt. Denn: Die „Forderungen gegenüber inländischen Kreditinstituten“ stiegen um knapp 15 Mrd. Euro, also praktisch die Summe, die sich die DKB bei der EZB geborgt hat.

Wie viel Gewinn das gebracht hat? Geschäftsbericht, Seite 152: „Aus den TLTRO III und der Wiederanlage der Gelder bei der Bundesbank hat der DKB Konzern 2020 ein Ergebnis von 13,2 Mio. Euro erzielt.“

TLTRO-Arbitrage. Auch das kann Bank.

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