„Fintech-Frauen“-Serie (XI)

Hier kommt Anita Reuter, Head of HR bei Finconomy

5. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil XI:

Anita Reuter, 42 Jahre

Ich bin:

Head of HR der Finconomy AG

Das heißt?

Ich verantworte den Personalbereich bei der Finconomy-Gruppe (eine Münchner Fintech-Schmiede, zu der Startups wie Finhome oder BANKSapi gehören) und verstehe mich als „Feel Good“-Manager. So erarbeite ich in enger Abstimmung mit dem Management der einzelnen Ventures eine jeweils passende Recruiting-Strategie, entwickle und monitore die HR-Strategie und bin verantwortlich für die Einleitung und Umsetzung von personellen Aktivitäten. Ich bin für unsere Personal-Organisation der erste Ansprechpartner bei Problemen jeder Art und treibe Themen an die unseren KollegInnen wichtig sind.

Vorher war ich:

Nach meinem Studium der Soziologie mit Schwerpunkt auf soziale Arbeitsbeziehungen habe ich lange Jahre in Spanien gelebt und war hier bei einem Global Player der Versicherungsindustrie für das deutsche Customer-Care-Team verantwortlich. Hier habe ich gelernt wie man in einem Corporate-Umfeld Verantwortung übernimmt und sich innerhalb eines großen Konzerns für ein multinationales Team einsetzt.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

Ich bin eher durch Zufall in der Fintech-Branche gelandet. Für meine Art der Tätigkeit ist die Branche nicht ausschlaggebend. Mir ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Teammitglieder wohl fühlen, gleichberechtigt behandelt werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Ich finde das Fintech-Segment hoch spannend und inspirierend, gerade in den letzten Jahren haben hier große Veränderungen und Disruptionen stattgefunden, die sehr zukunftsweisend sind.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Das liegt zum einen an den – leider immer noch vorherrschenden – klassischen Rollenverteilungen der für diesen Bereich hauptsächlich benötigten Positionen: IT-Developer(innen), Mathematiker(innen) etc. Man sieht ja bereits bei der Berufswahl dass weniger Frauen in IT-verwandten Fächer anzutreffen sind und die MINT-Fächer von Männern dominiert werden. Ich denke, dass die Fintech-Branche – zu Unrecht! – immer noch den Ruf hat, sehr „kühl“ und zu „trocken“ zu sein und wenig Kreativität zuzulassen.

Wir können zwar rechtlich keine explizit auf Frauen zugeschnittenen HR-Maßnahmen vermarkten, würden uns jedoch absolut auf mehr Bewerbungen von qualifizierten Frauen freuen. Und nein, natürlich wird bei uns auch das männliche Geschlecht nicht diskriminiert 😉

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Ich denke, dass der Zeithorizont von 2-3 Jahren zu eng angesetzt ist und dieses Problem kein spezifisches Problem unserer Branche ist. Ich hoffe, dass sich die Situation allgemein für Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt innerhalb der nächsten Jahre verbessert. Gerade jetzt in der Corona-Krise erkennt man wieder, auf wem die „Last“ der Familie geschultert wird, wer für das Homeschooling, das Homecooking, das Betreuen der Kita-Kinder und den Haushalt zuständig ist, und wer wie selbstverständlich von Politik und Gesellschaft zurück in die Hausfrauen-Rolle gedrängt wird.

Es ist wirklich erschreckend zu sehen, wie viele Rückschritte hier innerhalb ein paar Wochen vollzogen wurden. Von dem gender-pay-gap ganz zu schweigen. Ich hoffe, dass hier, auch unter dem Brennglas der Corona-Krise, in naher Zukunft verstärkt Diskussionen stattfinden werden die auf längere Frist zu einer gleichberechtigteren Rollenverteilung in Deutschland zielen.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Ich finde alle Frauen, vor allem die, die Familie und Beruf unter einen Hut kriegen, inspirierende Managerinnen. Wie auch immer der Lebensentwurf aussieht: ob die Kinder in fremder Betreuung sind, ob sie zu Hause betreut werden, ob die Frauen halbtags oder ganztags arbeiten. In vielen Fällen wird von den Frauen immer noch mehr abverlangt als von den Männern, ohne dafür die entsprechende Anerkennung zu erhalten. Wir können hier in der Fintech-Branche Vorreiter sein, indem wir flexible Arbeitszeiten, flexible Strukturen und gleichberechtigte Aufstiegschancen leben.

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