„Fintech-Frauen“-Serie (Teil XX)

Hier kommt Elisabeth Pollner, Head of Finance bei Scalable

23. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil XX:

Elisabeth Pollner, 35 Jahre

Elisabeth Pollner

Ich bin:

Seit 2016 Head of Finance & HR bei Scalable Capital

Das heißt?

Die Themen, die mich beschäftigen, reichen von Budgetierung und Bilanzierung über steuerliche Themen bis hin zu regulatorischen Verantwortlichkeiten. Dabei bin ich auch Ansprechpartnerin für Banken, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder die Aufsicht. Darüber hinaus verantworte ich das gesamte Personalmanagement. Eines meiner wichtigsten Projekte war die Einführung skalierbarer Prozesse. Das hat in einem Unternehmen, das seine Mitarbeiterzahl binnen vier Jahren verfünffacht hat, natürlich einen hohen Stellenwert.

Vorher war ich:

Ich habe mich schon während meiner Schulzeit mit Rechnungslegung beschäftigt – aus Neugier, mit Büchern aus der örtlichen Stadtbibliothek. Nach meinem BWL-Studium habe in einer großen Steuerkanzlei fast vier Jahre vor allem Venture-Capital-Fonds betreut. Damit konnte ich einen tiefen Einblick in die Startup-Szene gewinnen. Weil mich die Verbindung von Finanzen und Technologie begeistert hat, folgte der Seitenwechsel – vom Investor zu einem Insurtech-Startup. Zu Scalable Capital bin ich dann gegangen, weil mich die smarte Geschäftsidee, das professionelle Setup und der Enthusiasmus der Gründer überzeugten.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… hätte ich mich weiter der Steuerberatung gewidmet oder die Besteigung des Mount Everest in Angriff genommen – aber das kann ja noch kommen 😉

Welche Trends in der Fintech-Branche sind aktuell für besonders relevant?

Der mit Abstand größte Trend der vergangenen Jahre sind Kooperationen. Gerade in der Fintech-Branche herrscht eine ungeheure Dynamik. Vor kurzem habe ich in einer Studie gelesen, dass sich die Anzahl der Fintech-Kooperationen seit 2014 fast verzehnfacht hat. Es gibt viele Partnerschaften zwischen Fintechs untereinander und mit etablierten Playern. Allen Seiten wird immer mehr bewusst, dass sie sich gegenseitig Nutzen stiften können: Banken erkennen, dass sie sich für die Zukunft besser aufstellen müssen, und die Fintechs wissen die etablierten Lösungen der bisherigen Anbieter zu schätzen. Dadurch verbessern sich die Angebote – und alle Seiten profitieren. Ich denke, der Trend wird noch eine Weile anhalten.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Schwer zu sagen, mich hat die Branche auf Anhieb fasziniert. Womöglich ist es die Kombination aus Finanzen und Technologie, die Frauen auf den ersten Blick weniger spannend erscheint. Außerdem handelt es sich um eine vergleichsweise junge Branche, und manchmal habe ich den Eindruck, dass Männer eher mal den Sprung ins kalte Wasser wagen. Ich kann nur alle Frauen ermutigen, ebenfalls den Schritt zu machen. Die Branche bietet einen enormen Gestaltungsraum für neue Ideen, Kreativität und Wachstumsmöglichkeiten.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Für alle Branchen gilt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert und gefördert werden muss. Das kann zum Beispiel über Homeoffice und flexible Arbeitszeitmodelle sein. Zum Glück zeichnet sich hier bereits ein Umdenken ab. Das gilt übrigens auch für die Kinderbetreuung. Es gibt immer mehr Männer, die Elternzeit in Anspruch nehmen und dadurch ihre Frauen unterstützen. Umgekehrt müssen aber auch Frauen ihre Karrierewünsche klar artikulieren – sei es privat oder im Job.

Grundsätzlich sollte man aber, glaube ich, früher ansetzen. Schon in der Schule oder spätestens im Studium sollte das Interesse an Finanzen und Technologie gefördert und Karrieremöglichkeiten für Mädchen und Frauen in diesen Bereichen aufgezeigt werden. Hier besteht auch ein großes Potenzial für Fintechs, aktiv durch Jobbörsen oder Meetups auf sich aufmerksam zu machen und gezielt zu werben. Auch können spezialisierte Netzwerke und Events für Frauen dazu dienen, sie für die Fintech-Branche zu begeistern.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Generell finde ich es inspirierend, wenn Menschen große Projekte angehen. Das kann zum Beispiel die Herausforderung sein, ein Startup zu gründen oder den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Eine gute Freundin von mir hat vor kurzem eine Kanzlei gegründet. Sie denkt nicht ständig daran, was alles schief gehen könnte, sondern ist mutig und macht es einfach. Davor ziehe ich den Hut.

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