„Fintech-Frauen“-Serie (V)

Hier kommt Caroline Jenke, Chief Legal Officer bei Fintecsystems

18. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil V:

Caroline Jenke, 37 Jahre

Carolin Jenke FintecSystems

Ich bin:

Chief Legal Officer und Prokuristin bei FintecSystems

Das heißt?

Als Teil der Geschäftsführung unterstütze ich rechtlich und strategisch die Unternehmens-Entwicklung und bin insbesondere für die Umsetzung der PSD2 verantwortlich. Dabei vertrete ich FintecSystems auf nationaler und internationaler Ebene vor Aufsichtsbehörden, Verbänden und weiteren Institutionen.

Vorher war ich …

… beim Zahlungsdienstleister Sofort (später Klarna) als General Counsel tätig. Dort habe ich die Rechtsabteilung aufgebaut und geleitet, zudem durfte ich 2014 aufseiten von Sofort den Kauf durch Klarna rechtlich begleiten. Zu FintecSystems bin ich schließlich im Juli 2018 gewechselt. Mit über zehn Jahren Erfahrung in der Finanztechnologie habe ich mir nicht nur ein tiefes rechtliches Wissen, sondern auch ein fundiertes technisches Verständnis für den Payment- und Banking-Sektor angeeignet.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

Als ich Anfang 2010 bei der damaligen Payment Network AG (später Sofort und Klarna) als Inhouse- Juristin begonnen habe, bezeichneten wir uns nicht als Fintech oder Zahlungsinstitut, sondern schlicht als technischer Dienstleister. Wäre ich also nicht in der Fintech-Branche gelandet, dann wäre ich wohl bei einer anderen Software-Firma als Unternehmens-Rechtsanwältin tätig.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Die Finanzbranche ist männerdominiert, die Technologiebranche noch mehr. Die Schnittmenge daraus ergibt einen noch kleineren Anteil an Frauen im Fintech-Bereich. Sich in dieses Umfeld erstmals zu begeben kann Mut erfordern. Allerdings ist es umso mehr eine Chance, als Spezialistin im Unternehmen aufzufallen. Mir selbst hat das im Unternehmen immer am meisten gefallen: dass ich mit den unterschiedlichsten Menschen und diversen Ansichten zu tun hatte.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Ich sehe den Ball bei den Frauen. Mein grundsätzlicher Rat: Tretet mehr in Erscheinung! Meine Empfehlung an alle (männlichen) Manager: Schaut bewusst auch mal nach qualifizierten Frauen in der zweiten Reihe, dort warten vielleicht große Talente. Die Tendenz aktuell ist, dass man nur nach „Seinesgleichen“ sucht. Aber es ist die Diversität, die Teams und Organisationen stärker macht. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass Quoten nur bedingt helfen würden. Dagegen würde ich mir wünschen, dass Frauen fordernder auftreten und ihre Chance ergreifen, wenn diese sichtbar ist. Man wächst in die neuen Herausforderungen rein. Die wenigsten – auch nicht Männer – kommen als Führungskraft auf die Welt.

Diese Fintech–Managerin finde ich inspirierend:

Als ich auf der Branchen-Messe PEX20 Julia Tschawdarow kennen gelernt habe, hat sie mich mit ihrem Engagement für die Payment- und Banking-Branche und ihrer herzlichen und integeren Art beeindruckt. Grundsätzlich gilt: Jede Führungskraft, jeder Gründer und jeder Manager, der authentisch ist und für seine eigene Sache brennt, ist immer eine Inspiration, unabhängig vom Geschlecht.

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