„Fintech-Frauen“-Serie (X)

Hier kommt Cornelia Schwertner, Risikochefin bei Finleap Connect

2. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil X:

Cornelia Schwertner, 37 Jahre

Cornelia Schwertner

Ich bin:

Chief Risk Officer bei Finleap Connect

Das heißt?

Als Geschäftsführerin und Chief Risk Officer verantworte ich Compliance, Risk, Legal und Public Affairs. Da die Mehrheit unserer Kunden klassische Banken und Versicherungen sind und unsere Produkte im Ergebnis Verbraucher mit neuen Fintech-Lösungen begeistern sollen, ist Vertrauen in die Sicherheit unserer Produkte ein wesentlicher Aspekt des Erfolgs. Ich möchte also nachhaltig Qualität liefern und nicht eine reine Back-Office-Funktion ausfüllen.

Vorher war ich:

Vor meinem Wechsel zu (damals noch Figo und heute) Finleap Connect habe ich vor allem als Beraterin viele Banken und deren Compliance-Bereiche kennengelernt. Mein Einstieg kurz vor der Subprime-Krise und mein Ausstieg während der Aufarbeitung der OFAC-Sanktionsverstöße im „Forensic Services“-Bereich bei PwC haben mich vor allem gelehrt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse in der Finanzindustrie fließend sind und die richtige Compliance-Kultur jedes Risikohandbuch erst wirksam werden lässt. Der Wechsel war eine tolle Chance, meine Compliance-Idee auf der grünen Wiese in einem Fintech umzusetzen und mit der ersten PSD2-Lizenz (die wir mit Figo 2018 erhielten) in Deutschland belohnt zu werden. 

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… dann würde ich die Frauenquote in der Finanz-Szene-Redaktion erhöhen. Den Job als Social-Media-Beauftragte habt ihr mir ja bereits angeboten. Wenn ihr noch ein „Forensic Ressort“ obendrauf packt, wäre das vielleicht eine denkbare Alternative zur Fintech-Welt.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Es braucht Mut von zwei Seiten. Einerseits um klassische Karrierewege zu verlassen, ein Startup-Risiko einzugehen und sich die Verantwortung für neue Themen zuzutrauen. Andererseits den Mut und die Größe, sich ständig als Männerwirtschaft zu hinterfragen und sich nicht darauf auszuruhen, dass klassisch weiblich geführte Funktionen die übergreifende Quote erhöhen oder Diversity unterhalb der Top-Management-Grenzen bereits funktioniert. Gerade auf der Führungsebene und im Tech- und Produktumfeld ist noch Nachholbedarf. Dafür sind wir gemeinsam verantwortlich, als Management der Branche. Das bedeutet Anstrengungen, die manchmal schwierig in der Hektik des Alltags unterzubringen sind. Ich bin für jede Stimme und Initiative dankbar, die uns daran konsequent erinnert.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Öffentlichkeit und Transparenz: als Mann die eigene Präsenz in wenig weiblichen Podiumsdiskussionen, Gremien, Ausschüssen und Medien hinterfragen und nach der Frau im eigenen Unternehmen und Netzwerk Ausschau halten, die dort präsent sein sollte. Ein öffentlichkeitswirksamer Umgang damit lohnt sich doppelt. Auf der anderen Seite als Frau im Fintech-Bereich die Öffentlichkeit annehmen und mit der eigenen Expertise auf Konferenzen und in Medien präsent sein. Aktives Vorbild sein für andere Frauen. Das ist keine Phrase sondern tatsächlich wirkungsvoll. Mir wird dies zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen mit Frauen gespiegelt, wenn sie mir offen sagen, dass ich ein Vorbild für sie sei.

Außerdem muss sich die Wahrnehmung gegenüber Teilzeit-Vätern ändern. Auch hier darf es keine Diskriminierung geben, sondern es muss aktiv daran gearbeitet werden- beiden Elternteilen Care-Arbeit zu ermöglichen, nur so haben Frauen industrieübergreifend und nachhaltig eine Chance auf Karriere.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Da denke ich zuerst an starke Managerinnen auf der Produkt- und Tech-Seite bei Finleap Connect, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Birte Goslowski, unsere Head of Success Management, oder Ulrike Moritz, unsere Head of Switch Products, die ihre täglichen Herausforderungen mit viel Know-how, Humor und Empathie meistern. Ihr Team-Beitrag ist sehr wertvoll für unseren Erfolg und lässt mich von paritätischen Verhältnissen träumen.

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