„Fintech-Frauen“-Serie (VIII)

Hier kommt Elisa Fischer, Head of Bank Onboarding bei Deposit

27. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil VIII:

Elisa Fischer, 38 Jahre

Elisa Fischer, Deposit Solutions

Ich bin:

Executive Director, Head of Bank Onboarding bei Deposit Solutions

Das heißt?

Ich bin dafür verantwortlich, dass unsere Partnerbanken einen reibungslosen Sales- und Onboarding-Prozess auf die Plattform erleben – und das fängt schon beim ersten Kontakt an. Wir sind ein Team aus multidisziplinären Spezialisten, das sich insbesondere auf die sogenannte „letzte Meile“ im Sales fokussiert: die technische Anbindung an die Plattform, regulatorische und rechtliche Fragen, den Vertragsabschluss, die operative Abwicklung sowie Vermarktungsfragen. Außerdem sind wir die Schnittstelle zu den verschiedenen Teams innerhalb von Deposit Solutions und koordinieren das Onboarding einer Bank intern.

Vorher war ich:

Nach dem ersten Studium habe ich in der Strategieberatung angefangen und bin dann relativ früh bei Deposit Solutions eingestiegen. Da waren wir noch eine Handvoll Kollegen und saßen alle in einem Zimmer. Im Laufe der Jahre habe ich hier in verschiedenen Rollen rund um unsere Bankkunden gewirkt: im Business Development, Sales, Produkt Management, Key Account Management und jetzt im Onboarding.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… wäre ich irgendwo, wo ich – so wie hier – mit einem hochqualifizierten und diversen Team ein gutes und nachhaltiges Geschäftsmodell zur Lösung relevanter Fragestellungen hätte aufbauen und gestalten können.

Welche Trends in der Fintech-Branche sind aktuell für besonders relevant?

Es gibt eine immer deutlichere Trennlinie zwischen Fintechs, die selbst Finanzprodukte an Endkunden verkaufen sowie die Kundenbeziehung besitzen wollen und daher ihren Fokus klar auf eine Endverbrauchermarke legen – und den Fintechs, die Banken helfen, ihre eigenen Kunden besser zu bedienen. Zur ersten Kategorie gehören Unternehmen wie N26, zur zweiten Kategorie gehören zum Beispiel wir. Und während Fintechs mit starker Endverbrauchermarke im Wettbewerb mit Banken vermutlich immer aggressiver werden müssen, dürften sich auf unserer Seite der Trennlinie noch stärker gemeinsame Ökosysteme und Symbiosen zwischen Banken, Fintechs und anderen Playern in allen möglichen Konstellationen herausbilden.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Bedauerlicherweise ist die Realität auch 2020 noch so, dass diese Frage nicht nur auf die deutsche Fintech-Branche zutrifft, sondern sich auf zu viele Branchen übertragen lässt; insbesondere in Führungspositionen. Es fehlen weibliche Vorbilder auf allen Ebenen. Gerade, aber nicht nur, beim Einstieg erlebt man Diskriminierungen aller Art, gehört als einzige Frau in homogenen Männergruppen nicht richtig dazu, wird bei der Begrüßung übersehen oder blöd angemacht. Man braucht Kraft und Ausdauer.

Mir wurde am Anfang in der Beratung mal offiziell das gutgemeinte Feedback gegeben, ich müsse eben aufpassen, weil ich so weiblich aussehe und solle doch etwas männlicher auftreten. Danach wusste ich erstmal gar nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte. Ich persönlich habe auch oft das Klischee bestätigt gesehen, dass Männer lauter und besser in Eigenwerbung sind und inhaltliche Defizite überspielen können, während Frauen herausragende Leistungen erbringen, sich damit aber nicht gerne brüsten oder positionieren und in der Folge dann einfach übersehen werden

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Förderung muss proaktiv durch die Führungsteams und Entscheider kommen. Und da ja eben der Großteil der Führungspositionen aktuell noch von Männern bekleidet wird, muss es gezielte und systematische Förderung von Frauen auch durch Männer geben. Ich persönlich finde es meist schwierig, wenn die Diskussion nur in die Richtung geht, dass Frauen sich ändern müssten. Das löst nicht das Grundproblem.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Unternehmenskultur und die Frage, wie sensibilisiert Männer für das Thema sind, eine entscheidende Rolle spielen. Damit diese Sensibilisierung weitergeht, braucht es aus meiner Sicht nach wie vor den Druck von außen, medial und politisch. Eine Durchmischung in Führungspositionen dient ja nicht einem reinen Selbstzweck, sondern bewiesenermaßen sind diverse Teams (nicht nur bezogen auf das Geschlecht) ein messbarer Erfolgsfaktor.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Fintech hin oder her, eine inspirierende Managerin finde ich Frau Merkel, die als Frau in einer ehemals absoluten Männerdomäne auf eine unaufgeregte und integre Art extrem viel erreicht und bewirkt hat und nicht nur in Deutschland, sondern international vielen als Vorbild gilt.

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