„Fintech-Frauen“-Serie (VI)

Hier kommt Laura Deneke, SVP Business Development bei Elinvar

21. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil VI:

Laura Deneke, 37 Jahre

Laura Deneke, Elinvar

Ich bin:

Senior Vice President Business Development bei Elinvar (einem B2B-Spezialisten für digitale Vermögensverwaltung)

Das heißt?

Ich verantworte strategische Partnerschaften und die erfolgreiche Umsetzung der Projekte, die sich aus diesen Partnerschaften ergeben. Dafür arbeite ich an der Weiterentwicklung unserer Plattform mit und bringe die Anforderungen unserer Partner ein. Hierbei gilt es, die optimale Schnittmenge zu finden zwischen dem, was der Markt fordert, und Themen, von denen wir glauben, dass wir sie besonders gelungen umsetzen können. Dabei arbeite ich sehr eng mit unseren Partnern zusammen, um ihnen unsere Plattform so zu konfigurieren, dass sie ideal zum entsprechenden Geschäftsmodell passt.

Vorher war ich:

Meine Karriere habe ich kurz vor der Finanzkrise bei einem damals noch in der Aufbauphase befindlichen Schweizer Finanzdienstleister  (heute Leonteq) begonnen, der auf Derivate und strukturierte Produkte spezialisiert war. Danach zog ich für meinen MBA nach London. In London habe ich anschließend bei Pimco gearbeitet. Dort war ich als Produkt-Strategin für „Multi-Sector Fixed Income“-Produkte verantwortlich, unter anderem für den größten Ucits-Fund, den es gibt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Arbeit an ESG-Themen, für die ich mich auch heute noch sehr interessiere.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… würde ich entweder Portfolios mit positivem Social Impact managen wollen, oder einen ganz anderen Job machen, und zwar einen, der es mir erlaubt, die meiste Zeit draußen zu verbringen.

Welche Trends in der Fintech-Branche sind aktuell für besonders relevant?

Kooperationen und gemeinsame Leistungssteigerung im Ökosystem stehen ganz klar an erster Stelle, deshalb sehe ich auch ein wahnsinnig großes Potential im B2B2C-Bereich. Etablierte Finanzdienstleister erkennen, dass sie durch Partnerschaften besser werden und ihren Kunden attraktivere Lösungen anbieten können. Im B2C-Bereich finde ich zudem jene Fintechs spannend, die ganz neue Kundengruppen erschließen und Menschen Zugang zu Banking-Services geben, die diesen traditionell nicht hatten. Das ist nicht nur sehr sinnstiftend, sondern schafft auch erheblichen Mehrwert – für beide Seiten.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Ich sage es einfach mal, wie es ist: Männer, die in ihrem Beruf sehr erfolgreich sind, haben häufig eine Partnerin, die karrieremäßig kürzertritt, um die Arbeitsbelastung (Haushalt und Familie) aufzufangen. Umgekehrt ist das einfach seltener. Aber wenn bereits der Partner beruflich maximal eingespannt ist, gibt es wenig Frauen, die den Stress, täglich alle Bälle – privat und beruflich – in der Luft zu halten, langfristig aushalten können oder wollen. Arbeitgeber, in der Fintech-Branche und überall, sollten zudem verstehen, dass eine Frau, die gerade kleine Kinder hat, vielleicht für ein paar Jahre kürzertreten möchte, ohne dass ihr danach die Chancen für große Karrieresprünge verbaut sind. Es handelt sich nur um einen zeitlichen Aufschub. Mein Aufruf an alle Frauen: Traut es euch zu, wenn ihr das möchtet! Eure Skills, die oft leicht anders sind als die der Männer, sind wertvoll und gefragt.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

  • Flexible Arbeitsarrangements willkommen heißen – sowohl bei Frauen als auch bei Männern!
  • Mütter nicht abschreiben, wenn sie vorübergehend kürzertreten, sondern ihnen danach wieder alle Karrierechancen eröffnen
  • Fokus auf Arbeitsergebnisse, nicht auf Face Time
  • Diversity of Skills schätzen und nutzen
  • Frauen angemessen für ihre Leistung bezahlen (eine gute Lektüre in dem Zusammenhang, die ich jedem empfehlen kann: Anne-Marie Slaughter’s Buch: Unfinished Business von 2015)

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Ich bin noch zu neu in der Fintech-Branche, um hier persönliche Vorbilder gefunden zu haben. Mir imponieren Managerinnen und Manager, die mit Talent, Humor und ihrem ganz eigenen Führungsstil erfolgreich sind, indem sie andere, die für sie arbeiten, erfolgreich machen. Authentisch sein, wissen, was Recht und Unrecht ist, und durch Cleverness schneller zum Ziel kommen – das finde ich gut und mit solchen Leuten arbeite ich gerne zusammen!

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