„Fintech-Frauen“-Serie (XVII)

Hier kommt Nicole Mantow, Geschäftsführerin von Invisible Pay

27. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil XVII.

Nicole Mantow, 49 Jahre

Nicole Mantow

Ich bin:

Geschäftsführerin und CEO von Invisible Pay, dem Fintech der HRS Group

Das heißt?

Gemeinsam mit den beiden Gründern von Conichi, dem Payment-Startup, das Ende 2018 von der HRS Group übernommen wurde, verantworte ich die globalen Aktivitäten von HRS im Bereich der Bezahllösungen. Als erstes Finanz-Technologieunternehmen der Corporate-Travel.Branche mit einer Lizenz als Zahlungsinstitut bieten wir den Corporate-Kunden von HRS eine virtuelle Payment-Lösung zur Begleichung von Hotelrechnungen.

Vorher war ich:

Nach Abschluss eines BWL-Studiums und ersten Stationen in der Telekommunikation bei o.tel.o (damals eines der ersten Startups im heutigen Sinne) und einer Unternehmensberatung bin ich 2002  in die Payment-Branche gekommen, die mich auf Grund ihrer Dynamik und hohen Innovationskraft nicht mehr losgelassen hat. Nach verschiedenen Positionen bei Concardis war ich CEO und Geschäftsführerin bei EVO Payments, einem international agierenden Payment Service Provider, für das Deutschland-Geschäft verantwortlich.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… wäre ich in einem anderen Unternehmen bzw. einer anderen Branche mit Payment-/Bankenbezug tätig. Voraussetzung: Es handelt sich um einen Player mit hoher Innovations- und Disruptionskraft, bei dem sich viel gestalten und weiterentwickeln lässt.

Welche Trends in der Fintech-Branche sind aktuell für besonders relevant?

Zum einen steht ein Großteil von Unternehmen durch die aktuelle Krise unter massivem Kostendruck, was die Notwendigkeit zum „Right-Sizing“ und zur Infragestellung sämtlicher Prozesse erfordert und eine Automatisierung und Digitalisierung selbiger beschleunigen wird. Wie in allen Krisen fördert dies im positiven Sinne die Innovationskraft und eröffnet Fintechs neue Ansätze, hier Lösungen zu finden. Ich denke, wir können uns hier sicher auf gute Ideen freuen. Zum anderen wird es signifikante Steigerungen digitaler Zahlungen geben, der Konsument hat gerade in den letzten Wochen die Bedeutung bargeldloser Zahlungen am Point of Sale zu schätzen gelernt und gleichzeitig Einkäufe von offline noch stärker auf online verlegt. Als dritten Trend sehe ich die Verschärfung regulatorischer Anforderungen (z. B. Geldwäsche, Identifizierungen) und Sicherheitsthemen, die sich Fintechs mit klugen Lösungen zu eigen machen und Banken/Zahlungsinstitute bereichern können.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Aus meiner Sicht steigt die Anzahl an Frauen, die die Attraktivität von Fintechs sehen und sich dort auch wiederfinden, bereits stetig. Leider allerdings weniger als Gründerinnen oder Managerinnen in Führungspositionen (was in anderen branchen – siehe die aktuelle Studie der Allbright-Stiftung – aber genauso ist). Ich beobachte, dass sich viele Frauen weiterhin häufig selbst unterschätzen, zu wenig Selbstvertrauen haben und sich nach wie vor nur auf Positionen bewerben, von denen sie glauben, die Anforderungen an diese Position zu mindestens 90 % erfüllen zu können. Ich beobachte Männer in diesem Punkt deutlich selbstbewusster – sie gründen und nehmen die damit verbundenen Risiken in Kauf und/oder bewerben sich viel häufiger für Positionen, für die sie nicht immer auf Anhieb alle der geforderten Skills mitbringen. Weiterentwicklung erfolgt aber nicht dadurch, dass man nur Jobs annimmt, die man immer schon konnte.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Kurz gesagt brauchen wir mehr Mut, Visibilität und Selbstbewusstsein bei den Frauen und mehr proaktive Unterstützung auf Management-Ebene (die in weiten Teilen männerdominiert ist). Zudem denke ich, dass Frauen, die schon in Führungspositionen sind, sich ihrer Rolle als Vorbild noch stärker bewusst werden sollten.

Ich sehe aber auch sehr positive Entwicklungen. Es wächst der Veränderungsdruck auf Unternehmen, vor allem, weil die Themen Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung und gute Unternehmensführung für Investitions-Entscheidungen immer wichtiger werden. Es ist gut dokumentiert, dass gemischte Führungsteams mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund und unterschiedlichen Blickwinkeln zu einer besseren Entscheidungsfindung führen. Daher fordern Kapitalgeber und Vermögensverwalter von Unternehmen zunehmend, beiim Thema Gender aktiv zu werden. Wird die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen zur Investmentvoraussetzung, bin ich sehr zuversichtlich für die Zukunft.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Inspirierend finde ich Frauen in meinem direkten beruflichen und insbesondere privaten Umfeld, die sich durch ganz unterschiedliche Lebensmodelle, Eigenschaften und berufliche Werdegänge auszeichnen; sei es beispielsweise im Theater, als Juristin, als Hausfrau & Mutter oder in der naturwissenschaftlichen Forschung.

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