„Fintech-Frauen“-Serie (XIII)

Hier kommt Pavlina Popova, Director Banking bei Barzahlen

15. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute Teil XIII:

Pavlina (Polly) Popova, 29 Jahre

Ich bin:

Director Banking bei Barzahlen.de.

Das heißt?

Als Verantwortliche für den Banken-Bereich in Deutschland und Österreich bin ich für die Kooperationen mit Bestandskunden (hierzu zählen u.a. N26, DKB, Bunq, Targobank und Sparda-Banken), für die Kooperationsentwicklung mit potenziellen Partnern und für die Projektumsetzung bei Zustandekommen einer Kooperation verantwortlich. In meiner Position vereinen sich Projektleitung, Account-Management und Business Development.

Vorher war ich:

In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn war ich Bänkerin durch und durch. Angefangen habe ich bei der Berliner Sparkasse in der Gesamtbanksteuerung. Dort war ich hauptsächlich für die Parametrisierung von Margenkalkulationen für Finanzierungsprodukte und für die Erzeugung kontobezogener Bonitätsprämien für die Nachkalkulation verantwortlich.

Nach Abschluss meines Masterstudiums stieg ich bei Simon-Kucher & Partner als Beraterin ein, wo ich an Preisstrategie-Projekten mit unterschiedlichen Regionalbanken arbeitete, die sich mit der Konzeption neuer Kontomodelle für Privat- und Firmenkunden, der Erstellung von Loyalitäts-Programmen und der Ertragssteigerung von Banken beschäftigten. Für ein internes Projekt setzte ich mich zum ersten Mal intensiv mit der Fintech-Branche auseinander und entdeckte eine für mich komplett neue Industrie, die mich begeisterte. Letztendlich landete ich so bei Barzahlen.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

In der 8. Klasse bewarb ich mich voller Zuversicht zum ersten Schülerpraktikum bei der Deutschen Börse in Frankfurt. Wenn ich nicht in der Finanzbrache gelandet wäre, dann würde ich im Energiesektor, bei einem Netzbetreiber oder in einem Green Tech arbeiten. Traditionelle Industrien finde ich eben sehr spannend, da sie sich vor der Herausforderung sehen, einerseits die Transformation im Geiste der Zukunft mitzugehen und andererseits ihre Kern-Beständigkeit zu erhalten. Und genau diese Herausforderung finde ich sehr spannend.

Welche Trends in der Fintech-Branche sind aktuell für besonders relevant?

Ein großer wichtiger Trend aus meiner Sicht ist das personalisierte und inklusive Banking. Endkunden wollen ihre Bankverbindung bei einer Bank, die für das steht, woran sie glauben, die zu ihnen passt und die ihre täglichen Bedürfnisse befriedigt – etwa Tomorrow für Nachhaltigkeit, Insha für Islamic Banking und Penta, Holvi oder Qonto für Selbständige. Aus diesem Grund haben wir in den vergangenen Jahren so viele neue Kontoanbieter entstehen sehen, und aus meiner Sicht gibt es noch einige Nischen, die zu bedienen sind, bevor eine gewisse Sättigungskurve einsetzt.

Interessant daran ist letztendlich auch die Feststellung, dass wenn Leute das Gefühl haben, dass die Bank zu einem passt, sie zu Fans werden und ihre Zahlungsbereitschaft für Bankprodukte steigt (oder haben es die traditionellen Banken geschafft, ihre goldenen Kreditkarten für 17 Euro zu verkaufen wie es eine N26 mit der Metal Card macht?).

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Die Frage ist immer, auf welches Level man blickt. Durch meine Zusammenarbeit mit anderen Fintechs sehe ich dort durchaus eine Diversität und spreche im Rahmen der Kooperation auch mit vielen Frauen im Vergleich zu meinen Ansprechpartnern bei Banken, die zum Großteil nach wie vor männlich sind. Wenn man jedoch auf Gründung- und Geschäftsführer-Ebene schaut, sieht es schon weniger divers aus, und ich denke genau darin liegt das Problem. Denn nach wie ist der Anteil der weiblichen Gründerinnen viel zu niedrig. Das mag daran liegen, dass Frauen weniger risikoavers sind oder dass die Netzwerke und Investoren ebenfalls nach wie vor männlich dominiert sind.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Ich würde diese Frage in zwei unterteilen: 1. Was muss sich ändern, dass grundsätzlich mehr Frauen in der Finanzbranche arbeiten und 2. Was muss sich ändern, damit mehr Frauen speziell in der Fintech-Branche arbeiten?

Zu 1.) Das Bild eines Bänkers in unserer Gesellschaft ist nach wie vor männlich. Das müssen wir ändern, indem wir mehr mit vor allem jungen Frauen darüber sprechen, was es bedeutet, in der Finanzbranche zu arbeiten. Ich werde in meinem Freundeskreis oft gefragt, ob die Arbeit denn nicht langweilig sei und meine Gegenfrage ist: „Wie oft hast du heute gezahlt und wäre das ohne deine Bank möglich?“ Und plötzlich merkt mein Gegenüber, dass Banking auch Spaß machen kann. Wir brauchen eine neue Generation der „Bänkerinnen“, die genau das symbolisieren und ich denke, genau in dieser Transformation befinden wir uns gerade.

Zu 2.) Wir benötigen wir grundsätzlich mehr weibliche Vorbilder in der Start-up-Szene. Frauen, die gründen und erfolgreich sind, aber auch Frauen, die gründen und scheitern, wieder aufstehen und ein neues Projekt angehen. Das wird mehr junge Frauen dazu anregen, risikofreudiger zu denken und auch in junge Fintechs zu gehen, bei denen die Zukunft nicht immer gewiss ist. In 2 bis 3 Jahren wird sich das nicht realisieren lassen. Blickt man jedoch auf einen Zeithorizont von 5-7 Jahren, sehe ich große Chancen.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Jessica Holzbach von Penta, Sibylle Strack von Kontist und Miriam Wohlfarth von Ratepay – alles Managerinnen, die sich in der Branche einen Namen gemacht haben und deren Meinungen gefragt sind. Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir in Zukunft mehr davon sehen und ich meinen eigenen Beitrag dazu leisten kann.

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