„Fintech-Frauen“-Serie (II)

Hier kommt: Verena Thaler, Head of Strategy bei Raisin

13. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil II:

Dr. Verena Thaler, 32 Jahre alt

Verena Thaler Raisin

Ich bin:

Head of Strategy and Business Development bei Raisin.

Das heißt?

Ich darf Problemlöser, Stratege und Visionär sein. Seit Februar 2020 leite ich die beiden Bereiche und gehöre dem Management an. Mit meinem Team unterstütze ich die Partnerbanken dabei, über die Raisin-Plattformen Zugang zu Einlagenfinanzierung zu erhalten und so ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Gemeinsam mit den Banken entwickeln wir dafür jeweils eine individuelle Funding-Strategie. Zudem verantworte ich die strategische Ausrichtung. In diesem Bereich arbeite ich gemeinsam mit dem Gründerteam an der weiteren Vision von Raisin. Als stark wachsendes Fintech haben wir noch viel vor.

Vorher war ich:

Vor meinem Einstieg bei Raisin war ich bei McKinsey & Company tätig, zuletzt als Junior Partnerin, und habe dort mit viel Leidenschaft Banken beraten. Mein Fokus lag auf den Bereichen Vertrieb und Business Building –  immer mit der Frage verbunden, wie sich Kundenerfolg und damit auch der Kundenwert steigern lässt. Ich habe meine Klienten erfolgreich bei der Konzeption und Umsetzung neuer Vertriebskonzepte oder der Anwendung von Advanced Analytics zur verbesserten Kundenansprache begleitet. Eines meiner Highlights war die Mitwirkung am Aufbau einer neuen Retailbank – von der Planung auf der grünen Wiese bis zum Marktstart in weniger als einem Jahr. Das hat mich angespornt, noch intensiver am Entwicklung eines Unternehmens beteiligt sein zu wollen. Und es hat mich schließlich zu Raisin geführt.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

Meiner Meinung nach kann man sich immer wieder neu erfinden. Banken und Finanzdienstleistungen haben mich schon immer interessiert: So habe ich beispielsweise mit elf oder zwölf Jahren meine Eltern überredet, mir ein eigenes Konto einzurichten – ich fand es damals schon besser meine Finanzen (a.k.a. Taschengeld) mittels Online-Banking zu verwalten 🙂 Entsprechend bin ich sehr zufrieden mit meiner Wahl und hatte nie das Bedürfnis, die Industrie zu wechseln.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Ich beobachte den Trend, dass erfreulicherweise immer mehr Frauen den Weg zu Banken und Fintechs finden. Es sind aber noch zu wenige – was auch daran liegt, dass sich viele Frauen immer noch selbst unterschätzen. Bereits Mädchen glauben grundlos, dass sie schlechter in Mathe, Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen sind. Das führt zu einem falschen „vorauseilenden Gehorsam”, aus dem heraus sie Bildungsschwerpunkte wählen, von denen sie (oft klischeehaft) meinen, dort besser aufgehoben zu sein. Andererseits fehlen weiterhin die strahlenden Vorbilder. Auch ich habe bei meinem Berufsstart erst einmal geschaut, wer um mich herum erfolgreich ist. Glücklicherweise habe ich tolle Frauen kennengelernt und bin ihnen (ins Banking) gefolgt.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

In meinen Augen ist das eine Mischung aus Hol- und Bringschuld. Einerseits sollten Frauen noch viel selbstverständlicher für sich einstehen und aussprechen, was sie wollen – sich beispielsweise in einen neuen Bereich trauen, die Beförderung selbstbewusst anstreben (selbst dann, wenn Frau glaubt die neue Aufgabe sei zu groß) und generell „einfach machen“. Ich habe selbst häufig vor neuen Rollen gezögert und dann den Rat erhalten: „Verena, mach einfach – du bist smart und weißt was du tust. Und wenn du dann erst mal nicht weißt, was zu tun ist, wirst du es herausfinden.“ So banal dieser Rat klingen mag, er stimmt und hat mir oft als Mantra geholfen. Das ist die Holschuld jeder Einzelnen.

Andererseits gibt es in meiner Wahrnehmung auch eine Bringschuld von Unternehmen und Management. Hier braucht es moderne Role Models und echte Mentoren oder Sponsoren. In Fintechs wie auch in Banken gibt es  einen großen Anteil an Frauen in Einstiegspositionen. Leider „verlieren“ wir diese Frauen auf dem Weg. Ein Grund dafür ist aus meiner Sicht, dass sich junge Frauen nicht wiederfinden, wenn sie sich Management-Teams ansehen.

Uns, den erfolgreichen Fintech-Frauen, kommt daher die Verantwortung zu, noch stärker Role Model zu sein und dadurch auch unterschiedliche Lebensentwürfe sichtbar zu machen. Ein Ansatz dafür ist es, sich stärker als Sponsorin zu verstehen und zu verhalten. Also als jemand, der an der Entwicklung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters gelegen ist und die diese aktiv – auch durch das Schaffen von Opportunitäten – bei der Entwicklung unterstützt. Das könnte beispielsweise so aussehen, dass jedes Management-Mitglied drei Mitarbeiter (Frauen und Männer) bei sich im Unternehmen identifiziert und diese bei der Karriereentwicklung unterstützt.

Diese Fintech-Managerin finde ich inspirierend:

Ich finde viele Frauen in Startups inspirierend, mir sind beispielsweise Miriam Wohlfarth, Lea-Sophie Cramer und Verena Pausder sehr präsent. Daneben fallen mir aber auch tolle Frauen aus etablierten Bereichen ein, etwa Christine Lagarde.

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