Exklusiv

Solarisbank bereitet offenbar die große Europa-Expansion vor

13. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn deutsche Fintechs versuchen, ins Ausland zu expandieren, dann enden die entsprechenden Unternehmungen (wie öfters schon beschrieben) gern mal frustrierend. Vom N26-Rückzug aus Großbritannien über den Penta-Rückzug aus Italien bis hin zum Milliarden-Insurtech Wefox, das neulich das Kunststück fertigbrachte, sich aus drei Märkten (USA, UK, Asien) zurückzuziehen, ohne dort je gewesen zu sein.

Was in diesem Zusammenhang fast in Vergessenheit geraten ist: Auch über die ansonsten stocksolide Solarisbank gibt es eine entsprechende Geschichte zu erzählen: Frisch gestartet und frisch gefundet, kündigte der „Banking as a Service“-Spezialist Anfang 2017 gleich mal vollmundig die Expansion nach Asien an. Indes – die hochtrabenden Pläne versandeten, bevor sie scheitern konnten. So konzentrierte sich die Solarisbank fortan brav auf ihren Heimatmarkt, bis …

… ja bis Finanz-Szene.de diese Woche auf Indizien stieß, dass die große Europa-Expansion nun doch bevorsteht!!!

Belege gefällig?

In der Karriere-Rubrik auf der Solarisbank-Website findet sich seit einigen Tagen, versteckt ganz unten unter „Sales“, eine Ausschreibung mit dem Titel „Commercial Country Head France (m/f/div).“ Zur Rollenbeschreibung heißt es unter anderem:

  • As the Commercial Country Head France, you will be responsible for managing all sales activities in France. This involves taking responsibility for revenue and pipeline targets.
  • You represent Solarisbank in France and are directly responsible for commercial and global success of our company
  • You network effectively with local clients and develop strong professional relationships
  • You coordinate the progression of potential partners with Legal, Compliance, Partner Onboarding, Product Owners and further internal stakeholders
  • You can operate independently and you are ready to grow and lead a strong
  • You support on a variety of initiatives including the go-to-market strategy and
  • future product/feature development for all our products and markets

Man könnte das alles auch kürzer fassen: Die Solarisbank sucht einen Frankreich-Chef. Und zwar (logischerweise, denn bislang ist die Solarisbank ja noch gar nicht in Frankreich) zur Vorbereitung des dortigen Launchs.

Das ist allerdings noch nicht alles. Auf der Karriere-Seite selbst fanden sich bis gestern zwar keine weiteren Ausschreibungen, die auf eine internationale Expansion hindeuten. Ebensowenig bei Linkedin bzw. den großen Job-Portalen wie Stepstone oder Indeed. Aber: Dafür entdeckte Finanz-Szene.de in kleineren Stellenbörsen analog zum „Country Head France“-Profil auch Ausschreibungen für einen „Commercial Country Head Spain“ und einen „Commercial Country Head Italy“. Gegenüber Finanz-Szene.de bestätigt die Solarisbank immerhin so viel: Ja, die Ausschreibungen sind authentisch. Und ja, sie sind in den vergangenen Tagen hochgeladen worden.

Mit anderen Worten (auch wenn die Berliner das noch nicht explizit bestätigen): Die Solarisbank bereitet mutmaßlich die Eröffnung eigener Präsenzen in den drei wichtigsten kontinentaleuropäischen Kernmärkten vor. Über den Zeitplan wissen wir zwar nichts. Aber erfahrungsgemäß lässt sich sagen. Wenn jetzt die entsprechenden Manager gesucht werden, dann will man Richtung zweite Jahreshälfte 2021 möglicherweise schon loslegen.

Wirklich überraschend kommt dieser Schritt nicht – zumal einer der wichtigsten Kunden, nämlich der ebenfalls in Berlin ansässige N26-Herausforderer Vivid Money, erst vor wenigen Tagen seine Expansion nach Frankreich ankündigte: Offenbar ist es so, dass die Solarisbank ihre großen Partner in Zukunft vermehrt bei deren regionaler Expansion begleiten will (statt das Ganze, wie bislang, komplett von Berlin aus zu machen).

Ein weiterer Punkt: Wenn die Solarisbank bis dato (wie gesagt: von Berlin aus …) international aktiv war, dann normalerweise zur Unterstützung hiesiger Partner, die mit ihren Produkten und Services auch ausländische Märkte addressieren wollten. Ein Beispiel hierfür ist die KMU-Mobile-Banking-App Penta, die im vergangenen Jahr nach Italien expandierte (auch wennn sie diesen Schritt, siehe oben, später wieder rückgängig machte). Ein weiteres Beispiel ist der Neobroker Trade Republic, der unlängst seinen Produktstart in Österreich ankündigte.

Wenn die Solarisbank nun eigene Büro in Frankreich, Spanien oder Italien eröffnet, dürfte das bedeuten: Es geht den Berlinern nicht mehr nur darum, hiesige Kunden in diesen Ländern besser unterstützen zu können – sondern auch darum, neue Kunden in ebendiesen Ländern zu gewinnen. Was so ja auch aus den Jobanzeigen hervorgeht. Denn die Frankreich-Ausschreibung steht mutmaßlich nicht ohne Grund im Bereich „Sales“. Und wenn es in den Stellenanzeigen überdies heißt, es gehe darum, die Solarisbank „bei Messen und ähnlichen Events zu repräsentieren“, dann ist auch das ein klares Indiz: Die Berliner wollen vor Ort neue Partner akquirieren. Was im B2B-Bereich auch im digitalen Zeitalter ohne Vor-Ort-Präsenz eher schwierig ist.

Ein letzter Punkt: Zu den Leib-und-Magen-Themen von Solarisbank-Chef Roland Folz gehört die sogenannte IBAN-Diskriminierung. Damit ist gemeint: Ein Solarisbank-Partner wie Vivid Money kann seinen französischen Endkunden erst dann ein Konto mit französischer IBAN anbieten, wenn die Solarisbank als „Banking as a Service“-Provider von Vivid über eine Niederlassung in Frankreich verfügt. Folz hatte gehofft, dass diese Diskriminierung im Zuge der Vergemeinschaftung des europäischen Bankenmarkts eher früher als später wegfallen würde. Indes: Die Sache zieht sich. Was im Umkehrschluss bedeutet: Mit den Niederlassungen in Frankreich, Spanien und Italien wäre die Sache mit der IBAN-Diskriminierung dann vom Tisch.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing